Über und in Facebook reden viele. Wie erklärt sich der Erfolg? Was haben
Forscher herausgefunden? Daniel Rettig versammelt in seinem Blog eine
Vielzahl von Forschungsergebnissen zu unserem Verhalten und er ist Redakteur
bei der Wirtschaftswoche zu Beruf und Karriere.
Wenn gleich ich seine Arbeit schätze, so fehlt mir doch die richtige Einord-
nung der Ergebnisse in bestehende Modelle und Theorien und deren kritische
wissenschaftliche Bewertung (nicht jede Studie ist methodisch aussagekräftig).
Da merken wir, dass der Blogger und Autor kein Naturwissenschaftler ist und
auch nicht Psychologie studiert hat (anders macht es z.B. Ranga Yogeshwar).
Für den Leser entstehen somit mehrere Fehlerquellen: 1. Sind die Ergebnisse
überhaupt richtig? 2. Welche alternativen Erklärungen gibt es für die Ergebnisse?
3. Wie nimmt Daniel Rettig die Ergebnisse wahr? 4. Wie interpretiert der Leser
des Blogs bzw. der Wirtschaftswoche die Ergebnisse?
Dies sollte man bein Lesen übrigens aller Artikel beachten. Da wir aber nicht alle
die Lust, die Zeit und das Wissen haben, alles selbst zu untersuchen, bleibt nur
eins: Das eigene Nachdenken! In diesem Sinne bitte ich, Folgendes zu lesen.
"10 psychologische Fakten über Facebook" von Daniel Rettig
Mehr hierzu in seinem Blog.
Mein Kommentar:
Das Herumsurfen glücklich macht (8), ist stark zu bezweifeln und hierzu gibt es
auch Studien die zeigen, das Menschen nach dem planlosen Surfen das Gefühl
haben, nichts erreicht zu haben.
Auch Punkt 5 ist kritisch zu sehen: Studien zeigen, dass weniger gutaussehende
Personen schlechter beurteilt werden, wenn sie mit gutaussehende Personen
verglichen werden (Kontrasteffekt).
Ansonsten handelt es sich jedoch um plausible Ergebnisse. Aus Zeitgründen kann
ich leider nicht jede Studie zu Facebook einzeln lesen und hier bewerten. Wer an
einem Artikel für seine Zeitschrift zur Psychologie von Facebook interessiert ist,
der kontaktiere mich bitte.
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Hallo Herr Klemens, erstmal
Hallo Herr Klemens, erstmal vielen Dank für den Verweis auf meinen Beitrag. Zu den Punkten im Einzelnen: 1. Dass ich kein Naturwissenschaftler bin, muss der Leser gar nicht, wie von Ihnen impliziert, beim Lesen "merken", sondern kann es bequem auf der "Über mich"-Seite nachlesen. 2. "Sind die Ergebnisse überhaupt richtig?" Wie Sie sehen, verlinke ich - wenn möglich - die Originalstudie als pdf-Dokument. Ist das nicht drin, liefere ich zumindest einen Link, unter dem man die Studie erwerben kann. Insofern kann ich Ihnen diese Sorge vermutlich nehmen. 3. "Wie nimmt Daniel Rettig die Ergebnisse wahr? 4. Wie interpretiert der Leser des Blogs bzw. der Wirtschaftswoche die Ergebnisse?" Wo hier der Zusammenhang zu möglichen Fehlerquellen sein soll, erschließt sich mir ehrlich gesagt nicht. 4. Nehmen Sie es mir nicht übel, aber in Ihrem Beitrag schwingt für mich unterschwellig die Botschaft mit: Ein Volkswirt kann nicht seriös über Psychologie schreiben. Mein Interesse liegt allerdings nicht darin, ein weiteres wissenschaftliches Journal auf den Markt zu bringen - sondern Forschungsergebnisse verständlich zu vermitteln. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. 5. Ich habe mir Ihre übrigen Blog-Einträge ebenfalls angesehen - aber offen gestanden habe ich bei der Lektüre auch nicht den Eindruck gehabt, als müsse man für deren Formulierung zwingend Psychologie studiert haben... Beste Grüße, Daniel Rettig
Hallo Herr Rettig, vielen
Hallo Herr Rettig,
vielen Dank für Ihren Kommentar. Sie schreiben ja nicht nur über Psychologie,
sondern referieren eine Vielzahl an empirischen Studien. Zum Verstehen und Bewerten
wissenschaftlicher Studien (egal welcher Fachrichtung) ist eine wissenschaftliche
Ausbildung notwendig. Und zwischen Natur-, Sozial- und Geisteswissenschaften
gibt es halt Unterschiede, was die Methodik anbelangt.
Nun, wenn Sie meinen, dass zum Verstehen einer wissenschaftlichen Arbeit in
Psychologie keine Ausbildung notwendig ist, dann ist meine Frage, wie Sie das
Signifikanzniveau von p = 0.05 bewerten, dass viele Forscher bei der statistischen
Auswertung zugrunde legen? Und wie hängt dies mit der Effektgröße zusammen?
Und sind eher 100 oder 1.000 Personen bei einer Studie besser? Oder reichen
auch mal 40? Und was bedeutet eine Korrelation? Und ist ein Experiment immer
besser? Wie viel Gruppen braucht man eigentlich dabei?
Was ich an Ihrem Blog vermisse ist also eine Beschreibung wichtiger Begriffe der
empirischen Forschung für Ihre Leser (z.B. als Glossar).
Ich möchte weiter Mark Benecke (2005, 213-214) zitieren, der "Lachende Wissen-
schaft" vermittelt: "Schon wegen dieser verschiedenen Deutungsmöglichkeiten
macht es Spaß, echte Forschungsarbeiten genau zu durchstöbern, anstatt in
einer einzelnen Zeile zusammengefasste Ergebnisse einfach zu glauben. Doch
dazu benötigen Sie einige Fachbegriffe. Diese erlauben Ihnen zu trennen, was der
Forscher (a) wirklich herausgefunden hat, was er (b) glaubt, herausgefunden
zu haben, und was das (c) Ihrer Meinung nach für die Gesellschaft bedeuten
könnte."
Zu meinem Blog: Nun, man muss nicht Psychologie studiert haben, um über
Psychologie zu schreiben. Da stimmen wir ja überein. Ich beschäftige mich
seit über 15 Jahren mit psychologischen Fragen in Wissenschaft und Praxis.
Während meines Studiums in Düsseldorf haben wir tote Gehirne untersucht
und in Bonn habe ich Vorlesungen und Seminare zur Depression besucht.
Das hilft bei der Bewertung eines Medikaments wie Prozac.
Viele Grüße, Stefan Klemens
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